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Die Lesbarkeit der Bilder. Paul Fréart de Chantelou und das Schreiben über Kunstwerke im Frankreich des 17. und 18. Jahrhunderts

Thomas Kirchner

Kirchner, Thomas, "Die Lesbarkeit der Bilder. Paul Fréart de Chantelou und das Schreiben über Kunstwerke im Frankreich des 17. und 18. Jahrhunderts", dans Schneider, Pablo (éd.), Bernini in Paris : das Tagebuch des Paul Fréart de Chantelou über den Aufenthalt Gianlorenzo Berninis am Hof Ludwig XIV, Berlin, 2006. , p. 376-396.

Extrait de l’article

Die Kunsttheorie war im Jahre 1665, als Paul Freart de Chantelou sein berühmtes Tagebuch verfaßte, in Frankreich eine noch recht neue Disziplin. Und sie war eng mit der Familie Freart de Chantelou verbunden. Es begann 1651. In diesem Jahr erschien in Paris erstmals Leonardo da Vincis ,Trattato della pittura’. Die von Rafael Trichet Du Fresne besorgte Edition machte den bis dahin lediglich in handschriftlichen Kopien kursierenden Text Leonardos einem größeren Publikum bekannt. Besitzer der Druckvorlage, eine Kopie des Originalmanuskriptes, war der Kunstsammler, zwischenzeitliche Mitarbeiter der königlichen Kulturverwaltung und spätere Tagebuchautor Paul Freart de Chantelou. Im selben Jahr erschien ebenfalls bei dem Verleger Jacques Langlois eine französische Übersetzung des Textes. Angefertigt war diese von dem Bruder Chantelous Roland Freart de Chambray. Der Band sollte für die französische Kunsttheorie von unschätzbarem Wert sein. Denn bis zu seiner Veröffentlichung war Kunsttheorie eine nahezu ausschließlich italienische Domäne gewesen. Die übrigen Länder hatten auf dem Gebiet nichts Vergleichbares vorzuweisen gehabt. In Frankreich sollte sich die Situation mit Leonardos ,Traite de la peinture’ von 1651 ändern ; mit ihm war der erste Schritt gemacht. In schneller Folge erschien eine ganze Flut von nun französischen Texten, etwa Roland Freart de Chambrays ,Idee de la perfection de la peinture’ aus dem Jahr 1662. Wie die Malerei machte die Kunsttheorie anfänglich noch Anleihen bei den italienischen Vorbildern, spätestens mit den Bemühungen der Academie Royale de Peinture et de Sculpture ab dem Jahre 1667 kann man indes von einer spezifisch französischen Kunsttheorie sprechen.

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